RESONANZ

Leserzuschrift zum Beitrag von Ingo Kern »Garagenverordnung im Bild. Zurück in die Steinzeit« in Der Bausachverständige, Heft 1/2021

Der Beitrag zeigt auf, dass die Garagenverordnungen, wie viele gesetzliche Vorgaben, nur einen Mindeststandard bieten und in vielen Fällen funktionalen Anforderungen zumindest zum Teil nicht (mehr) gerecht werden. Zum Teil schafft es der Beitrag auch, wichtige Aspekte eines gut funktionieren Parkgebäudes darzustellen. Dafür vielen Dank.

Schön wäre es gewesen, wenn die gesetzlichen Vorgaben, privaten Regelwerke und die vielen aufgeführten Themen aus Gerichtsentscheidungen einmal übersichtlich unter den Aspekten der Gebrauchstauglichkeit, einer subjektiven Bestellererwartung und den a.a.R.d.T. bewertet worden wären. Damit hätte der Beitrag wertvolle Basis für die zukünftige Bewertung von Mängeln, für die Beratung bei Kaufentscheidungen, aber auch bei der Grundlagenermittlung für Planungen sein können.

Das gelingt dem Beitrag leider nicht, da er sich weitgehend in einer Häufung von unsachlich übertrieben wertenden Adjektiven verliert. Die Garagenverordnungen sind beileibe kein »Witz«. Sie sind ein Mindeststandard, den Planer, Erwerber, Nutzer und Sachverständige und Bauherren als einen solchen zu bewerten haben. Selbstverständlich planen wir in unserem Büro seit Jahrzehnten keine Stellplätze mit 2,30 m Breite, sie werden aber auch von keinem unserer Auftraggeber so gewollt. Sie stellen meiner Ansicht nach weder eine Üblichkeit noch die a.a.R.d.T. dar.

Auf der anderen Seite ist es nicht politisches Ziel, dass Stellplätze immer größer und komfortabler werden, daher ist es auch nicht Aufgabe der GaV, Derartiges festzulegen. Im geförderten Wohnungsbau wäre das dem Ziel, »bezahlbaren Wohnraum« zu schaffen, nicht zuträglich. Im gehobenen Standard sieht das selbstverständlich anders aus. Da sind Stellplätze mit größeren Abmessungen ggf. zu erwarten.  Bei einer »normalen« Eigentumswohnung werden zumindest in Nordbayern die Stellplätze in einer TG nahezu zu den Herstellkosten verkauft, da sich die Erwerber mehr als 25.000–30.000 Euro dafür nicht leisten können.


Andreas Grabow, GRABOW + HOFMANN Architektenpartnerschaft BDA,
Nürnberg, Juni 2021

Antwort von Ingo Kern auf die Leserzuschrift von Andreas Grabow zum Artikel »Garagenverordnung im Bild«

Das ist einer dieser Momente, da man einfach froh ist, wenn Kritik den Zweck bestätigt, wie man sagt, Schönheit ist nur sichtbar durch das Gegenteil. Die Debatte ist endlich da. Und wie es sich für einen Anfang gehört, soll sie nicht zeigen, was menschenmöglich, sondern was Menschen möglich ist. Mancher findet im Beitrag Anstöße für weiterführende Gedanken und wagt sich an ein neues Thema. Andere verzagen im Ansturm neuer Gedanken. Von allen Möglichkeiten eine allerdings doch eher naheliegend erscheinende, wenn man nicht gerade Dienst bei der Feuerwehr hat, ist allemal: Erst mal in Ruhe nachdenken. 

Es ist äußerst schwierig, eine »Alles-in-allem-Anleitung« zu schaffen, durch deren Anwendung alles so ordentlich, beschaulich und unproblematisch werden könnte, etwa nach Maßgaben von Tabellen, Urteilen, Gewohnheiten oder Berechnungsprogrammen. Rechtsanwältin Carola Dörfler-Collin schrieb im Bausachverständigen 6/2007: »Die […] notwendige Individualität erfordert es, dass sich das Bauwerk nicht nur als Ergebnis […] routinemäßigen Schaffens darstellt, sondern, dass es […] über die Anwendung der einschlägigen Lösungsmittel hinausgeht.« Praxistauglich und zukunftsfähig muss es sein. Im neuen Beitrag »EAR 05 im Bild« wird daher ein Schlaglicht auf privatrechtliche Perspektiven geworfen. Er könnte einige dunkle Flecken aufhellen. Ein Rezeptbuch ist das aber auch nicht.

Wenn »unsachlich und übertrieben« bedeutet, dass der Text einen zupackend-direkten Stil hat, der vor zynischen Zuspitzungen – die ich todernst meine – nicht zurückschreckt, dann gebe ich Ihnen recht. Sie sagen, die Garagenverordnung sei kein »Witz«, sondern der Mindeststandard. Nun, an vorderster Stelle ist sie erst einmal eine rückwärtsgerichtete Entwicklung. Pinguine haben das auch erlebt. Pinguine – habe ich gelesen – sind faszinierende Beispiele für die regressive Evolution, bei der sich bestimmte Merkmale wieder zurückbilden. Viele von uns assoziieren Evolution eher mit Akkumulation: Dinge werden mehr und besser. Genauso gut können sich Fähigkeiten aber auch zurückbilden oder verloren gehen. Die Vorfahren der Pinguine konnten fliegen. Mit dem Verlust ihrer Flugfähigkeit konnten sie sich besser an ihren Lebensraum anpassen, weil sie größer und schwerer werden konnten. Auch die reduktive Evolution bringt eigentlich Vorteile – sollte man meinen –, vielleicht habe ich da etwas übersehen?

Eine Umsatz- und Gewinnabsicht schließt ein »Dienen« zugunsten einer Tendenz nicht von vornherein aus. Wir sollten nicht vergessen, dass Bauträger und Projektentwickler in der Hauptsache Geschäfte tätigen, die in der gewinnorientierten Gesellschaft der Vermehrung ihres Vermögens dienen. Diese Eigenart verlangt aber auch, dass Zukunftsentwicklungen erkannt und zeitgemäße Entscheidungen getroffen werden. Deswegen sollte man den objektiven Empfängerhorizont des Verbrauchers nie aus dem Auge verlieren. Bedenkt man, dass der Hase nicht bequem, sondern im Pfeffer liegt, dann kann es sein, dass sich das widerborstige Problem nur mit einem Verweis auf die Zahlungsfähigkeit der Bürger nicht so einfach beseitigen lässt. An Beispielen für die Problematik des Zögerns fehlt es nicht. Der Vorwurf der Inkonsequenz gerade in Hinblick auf Forderungen nach Fortschritt, ist beständig an der Tagesordnung. Er besteht genau darin, dass sich der Fortschrittsgedanke nicht in die Garagenverordnung einfügt.

Dipl.-Ing. Ingo Kern,
Heilbronn, Juni 2021

 

Weitere Leserzuschrift zum Beitrag von Ingo Kern »Garagenverordnung im Bild«

Ein Kompliment für den hervorragenden (längst überfälligen) Fachbeitrag. Mit den von Ingo Kern geschilderten Mängeln habe ich tagtäglich zu tun. Ich komme von der Insel Rügen. Hier ist aufgrund der zahlreichen Ferien- und Eigentumsimmobilien eine sehr hohe Anzahl von Tiefgaragen gegeben. Herr Kern hat alle Probleme umfänglich angesprochen. Bei den Stellplätzen gehe ich sogar noch einen Schritt weiter. In der EAR 05 und dem BVS-Standpunkt »Stellplatzbreiten« wird sich lediglich mit den Stellplatzbreiten auseinandergesetzt. Stellplatzlängen werden nicht thematisiert. Wie Sie richtig schreiben, gibt es allein fünfzig PKW-Typen unterschiedlicher Hersteller mit Längen von 4,95 m bis 5,15 Meter. Ich habe in kurzer Zeit mindestens 20 PKW der gehobenen Mittelklasse von sogar 5,15 bis 5,40 m recherchiert. Abhängig von der üblich zu erwartenden Beschaffenheit sollten daher auch bei den zur Fahrbahn rechtwinklig angeordneten Stellplätzen Stellplatzlängen von mindes­tens 6 m (wie vom Autor für die parallelen Stellplätze und hintereinander angeordneten Stellplätze ausgewiesen) hergestellt werden. Nicht berücksichtigt werden bei der ganzen Thematik die immer mehr werdenden Ladestationen für E-Autos, Anhängerkupplungen sowie die in Ferienregionen zu erwartenden Fahrradträger.

Neben den Stellplatzbreiten und -längen sind die Kurvenradien immer wieder ein ganz spezielles Thema. Der größte Fehler, den ich Immer wieder bei Planern feststelle, ist, dass der 0-Punkt für den 5-m-Radius plan- und wahllos festgelegt wird.

Wie es im Artikel richtig angemerkt wird, werden die Planer mit den beschriebenen Mängeln konfrontiert, sind die Fragezeichen über den Köpfen der Stararchitekten und Künstler deutlich sichtbar. Vielleicht sollte man zur Abnahme die Bedingung aufstellen, dass diese Leute bei voll besetzter Tiefgarage mit ihrem meist oberklassigen PKW einparken sollen. 

Dipl.-Ing. Matthias Ruhnke, Sachverständigenbüro für Hochbau,
Bergen auf Rügen, Juni 2021

 

Leserzuschrift zum Beitrag von Andreas Koenen »Verfassungsrechtliche Grenzen des richterlichen Umgangs mit Sachverständigen« in Der Bausachverständige, Heft 2/2021

Die verfassungstheoretische Ausführung über das Verhältnis zwischen dem rechtmäßigen Richter und dem Sachverständigen belehrt und erbaut den Leser. Was dabei außer Acht bleibt, ist dass das verfassungsgemäße Recht auf rechtliches Gehör und auf den gesetzmäßigen Richter heute von einer ganz anderen Seite bedroht ist. Die Gerichte sind überlastet, ersticken unter einer Prozesslawine. Der ordentliche Gang der Rechtsprechung verfällt unter dem Druck der Zeit. Recht kriegen ist für Leute mit Zeit und Geld. Wer unter Zeitdruck steht, kann auf den Rechtsweg nicht vertrauen. Die Gerichte haben kein Hilfspersonal, Richter laufen selbst zum Kopierer, ein Gerichtsdiener ist eine Geschichte aus einer anderen Zeit oder einem anderen Land. Um nur ein Detail zu nennen, das jeden verblüffen muss, der mal ein französisches oder englisches Gericht hat kennenlernen dürfen.

Um der Not abzuhelfen, sprießen außergerichtliche Konfliktlösungen wie Pilze aus dem Boden. Schiedsgerichte, Schiedsgutachten, Mediation, Adjudikation, Friedensrichter, Mullahs und so weiter übernehmen die Lösung von Konflikten, die früher entweder friedlich zwischen den Parteien oder streitig vor Gericht ausgetragen wurden. Wenn die Richter in unseren westlichen Nachbarländern so viel souveräner auftreten, hängt das nicht zuletzt damit zusammen, dass sie die Mitwirkung dieser Nebengerichtsbarkeiten viel öfter als hierzulande akzeptieren oder sogar empfehlen. Bei diesen alternativen Streitlösungsverfahren helfen Sachverständige mit ihren Sachkenntnissen, mit ihrer Konflikterfahrung, mit ihrer Zusatzausbildung in Konfliktlösungstechniken, mit ihrem Vertrauen begründenden Auftreten, das jungen Richtern manchmal mangels Erfahrung so ganz abgeht. Gerade selbstständige Beweisverfahren – also Sachverständigenverfahren - werden gerne dem jüngsten und am wenigsten erfahrenen Richter der Kammer übertragen.

Vor diesem Hintergrund hat sich die im Gesetz so genannte Anleitung des Sachverständigen durch den Richter zu einer oft vertrauensvollen Zusammenarbeit im gegenseitigen Respekt weiterentwickelt. Nun erleben wir, dass konservative Juristen diese Entwicklung kritisieren, sie sei sogar nicht verfassungsgemäß. Da muss die Diskussion begonnen werden, ob es besser ist, dass ordentliche Rechtsprechung unter einer Lawine der Überarbeitung zusammenbricht oder ob die Arbeitsteilung zwischen Richtern und Sachverständigen im Sinne der bereits erfolgreich bestehenden Praxis weiterentwickelt wird. Ich sehe zurzeit keine Bereitschaft der Gesetzgeber, die Gerichte so auszustatten, dass sie dieser Unterstützung nicht bedürfen würden. Also muss wohl oder übel über den anderen Pfad gesprochen werden.

Dipl.-Ing. Sebastian Sage
Öffentlich bestellt und vereidigt als Sachverständiger
für Schäden an Gebäuden von der IHK Region Stuttgart,
Juni 2021

 

Leserzuschrift zum Beitrag von Georg Göker »Anschlüsse richtig planen und sanieren: Abdichtung bodentiefer Fenster« in Der Bausachverständige, Heft 1/2021

Es ist immer wieder erstaunlich, welche praxisuntauglichen, unmöglichen Konstruktionen veröffentlicht werden, z.B. Abb. 3 höhengleicher Türanschluss auf Seite 23:

Wie soll »Stahlbeton« über eine Fuge von ca. 1 cm zwischen Rinnenkörper und Stahlkonstruktion eingebracht werden?

Wo läuft Spritzwasser von der Tür hin, sicherlich nicht ausschließlich in die Rinne, sondern unter der Tür ins Rauminnere und anderswo?!

Deshalb: »Untere Türanschläge und -schwellen sind nicht zulässig«.

Wer sowas macht, braucht sich nicht wundern, wenn seine Haftpflichtversicherung streikt oder ihm kündigt.


Claus Becker, Freier Architekt und Bausachverständiger,
Heidelberg, April 2021

Antwort auf die Leserzuschrift von Claus Becker zum Artikel von Georg Göker in Heft 1/2021

Bei der Abbildung 3 handelt es sich um eine Prinzipskizze und nicht um ein Planungsdetail. Aus diesem Grund hat die zeichnerische Darstellung keine Maßangaben. Im Vordergrund steht die Darstellung der Los- und Festflanschkonstruktion.

»Nur vereinzelt werden in der Praxis Lösungsansätze gezeigt, wie schwellenfreie Abdichtungskonstruktionen ausgeführt werden können, z.B. in den BWA-Richtlinien für Bauwerksabdichtung, Band 3, Abb. 16 (vgl. [10]; Bild 3). Die dort gezeigte Lösung Festflanschkonstruktion bleibt aber in der Praxis meist unberücksichtigt, weil diese zu teuer und zu planungsintensiv ist.« (s. S. 24)

Herr Becker hat insofern recht, dass zusätzliche begleitende Maßnahmen erforderlich sind, um die Funktionsfähigkeit von höhengleichen bzw. barrierefreien Türanschlüssen zu gewährleisten. Die begleitenden Maßnahmen werden in meinem Beitrag im Abschnitt 7 beschrieben. Die Meinung von Herrn Becker unterstreicht die Komplexität dieser Anschlüsse in der Praxis und untermauert die Zusammenfassung in meinem Beitrag: »Abdichtungsanschlüsse an schwellenlose, barrierefreie Tür- und Fensterkonstruktionen können nur dauerhaft funktionssicher ausgeführt werden, wenn die spezifischen, Gewerke übergreifenden Anforderungen an die Tür- und Fensterelemente sowie an die Abdichtung bereits bei der Detailplanung durch einen Fachplaner berücksichtigt werden. Gleichzeitig müssen die Gewerke und die Montagefolgen koordiniert werden.« (s. S. 28)

Insofern gebe ich Herrn Becker recht, dass Abdichtungsanschlüsse an schwellenlose, barrierefreie Tür- und Fensterkonstruktionen, wie sie in der Mehrzahl bis heute ausgeführt werden, große Haftungsrisiken für die Planer und für die Ausführenden mit sich bringen. Das wollen wir im Arbeitskreis mit dem verbändeübergreifenden Merkblatt »Schnittstelle Bauwerksabdichtung – Baukörperanschluss bodentiefer Elemente« und der »Planungshilfe – Barrierefreie Übergänge bei Dachterrassen und Balkonen« des Zentralverbandes des Deutschen Dachdeckerhandwerkes e.V. ändern.

Die BWA-Richtlinien für Bauwerksabdichtung, Band 3, aus der die hier zitierte Abb. 3 stammt, wurde im Jahr 2009 veröffentlicht und befindet sich derzeit in der Überarbeitung. Bei der Überarbeitung wird der aktuelle Stand aus dem erwähnten Merkblatt einfließen.


Georg Göker, (Dipl.-Ing (FH)., Dipl.-Wirtsch.-Ing.(FH),
von der Industrie- und Handelskammer Schwaben
öffentlich bestellt und vereidigter Sachverständiger
für Flachdach- und Bauwerksabdichtung,
Kempten (Allgäu), April 2021

 

NEWSLETTER

Der BauSV-Newsletter bietet Ihnen alle zwei Monate kostenlos aktuelle und kompetente Informationen aus der Bausachverständigenbranche.

zur Newsletter-Anmeldung

Zurück zum Seitenanfang