Zuschriften zum Gerichtsurteil des OLG Hamm (12 U 73/18) zur Abdichtung erdberührter Außenwände mit kunststoffmodifizierten Bitumendickbeschichtungen (PMBC)

Das Urteil des OLG Hamm zur Kombiabdichtung erdberührter Außenwände mit kunststoffmodifizierten Bitumendickbeschichtungen (PMBC) und WU-Betonbodenplatte bei aufstauendem Sickerwasser und drückendem Wasser hat in der Fachwelt für viel Aufregung gesorgt. Vor allem die Feststellung des Gerichts, dass die Verfahrensweise trotz Konformität mit den einschlägigen DIN-Normen nicht den anerkannten Regeln der Technik (a.R.d.T.) entsprechen würde, hat heftige Diskussionen ausgelöst und sogar das DIN zu einer Stellungnahme zur Normungsarbeit veranlasst.

Wir haben in unserer Zeitschrift bereits mehrfach über das Thema berichtet und dazu eine große Anzahl an Zuschriften bekommen. Da wir diese aus Platzgründen nicht alle im Heft abdrucken können, haben wir diese Seite für Sie erstellt, auf der Sie alle Leserbriefe und Kommentare in chronologischer Reihenfolge lesen können, und auf der auch Platz für weitere Zuschriften von Ihnen ist.

Leserbrief zu Christian Herold: Erdberührte Außenwandabdichtungen aus PMBC auf WU-Beton-Bodenplatten

In: Der Bausachverständige Nr. 5, 2019, S. 46 ff.

Natürlich kann Herr Herold als Obmann des DIN-Ausschusses für Abdichtungen dieses Urteil nicht akzeptieren, meinen doch die Verfasser von DIN-Normen, sie allein bestimmen die allgemein anerkannten Regeln der (Bau-)Technik. Erhellenderweise liefert Herr Herold aber die Gründe, weshalb die hier zu Debatte stehende Abdichtungsart gegen drückendes Wasser (PMBC der Wand mit adhäsivem Übergang zur WU-Beton-Bodenplatte) sich eben nicht in der Praxis bewährt hat und bewähren wird und somit vielleicht den Stand der Technik widerspiegelt, aber keine allgemein anerkannte Regel werden wird.

Die unter den vier Aufzählungspunkten im Abschnitt 2 »Sachverhalt« genannten Voraussetzungen sind genau die, die sich unter baupraktischen Bedingungen nicht garantieren lassen und die keinerlei Sicherheitsreserven dieser Art der Abdichtung zulassen.

Das verwendete Produkt bedarf eines allgemein bauaufsichtlichen Prüfzeugnisses (abP). Ausschließlich die Nichtbeachtung der besonderen Bestimmungen (?) des abP führte zu den in einer Umfrage von 2009 angegebenen Schadensfällen. Mit anderen Worten: Was bei der labortechnischen Prüfung zu beachten ist, muss auch unter baupraktischen Bedingungen eingehalten werden. Wer das als Bedingung für den Erfolg und die Praxisbewährung einer Bauleistung definiert, kennt sich im täglichen Baustellenbetrieb wenig oder gar nicht aus.

Die Vorbereitung und Behandlung des Betonuntergrunds scheint für den Erfolg dieser Abdichtungsart von entscheidender Bedeutung zu sein. Wer weiß, wie schwer dieser Bereich am Boden des Arbeitsraums einer Baugrube unter baupraktischen Bedingungen erreichbar ist und dass sich dort meist Regenwasser und Sonstiges sammelt, der kann nicht voraussetzen, dass dort immer die idealen, labormäßigen Voraussetzungen (Temperatur, Trockenheit) für eine entsprechende Vorbehandlung gegeben bzw. zu schaffen sind. Eine Bauweise, die diese Umstände nicht berücksichtigt, wird sich in der Praxis nicht bewähren können.

Wie soll die Mindesttrockenschichtdicke unter den o.g. Bedingungen an jeder Stelle garantiert, geschweige denn geprüft werden? Die Auftragsmenge je m2 kann allenfalls einen Anhaltspunkt bieten, soweit sie sich überhaupt ermitteln lässt, eine Garantie, dass überall die 4 mm eingehalten sind, gibt sie noch lange nicht. Es sind eben genau diese Unwägbarkeiten, die jede Beschichtung zu einem unkalkulierbaren Risiko werden lässt.

Schon in der alten Norm waren die dort aufgeführten Prüfverfahren und -kriterien praxisfern. Es können noch so viele Stichprobenmessungen gemacht werden, ob an der später entscheidenden Stelle die geforderte Schichtdicke vorhanden ist, kann niemand garantieren. Für Bodenfeuchtigkeit mag eine Dickenunterschreitung ohne Folgen bleiben, für drückendes Wasser kann sie zum Versagen führen.

Vier vom Verfasser selbst angeführte Gründe also, die einer Praxisbewährung entgegenstehen und somit ein entscheidendes Kriterium für eine allgemein anerkannte Regel der Technik nicht erfüllen. 

Darüber hinaus gibt es aber noch weitere Gründe, diese Abdichtungskombination nicht zu den praxisbewährten Bauweisen zu zählen. Schon geringste Bewegungen zwischen Wand und Bodenplatte, etwa beim Verfüllen und Verdichten des Arbeitsraums, führen zwangsläufig zum Versagen der Abdichtung. Wer kann diese Bewegungen zuverlässig und dauerhaft verhindern, solange es keine schubfeste Verbindung zwischen beiden Bauteilen gibt? Auch im Mauerwerk selbst sind Rissbildungen, die zum Versagen der Abdichtungsbeschichtung führen, nie auszuschließen.

Eine weitere Frage ist die Langzeitdauerhaftigkeit des Verbunds zwischen dem Beton und der Beschichtung. Es ist allgemein bekannt, dass unter hydrostatischem Druck sich bituminöse Verklebungen allmählich auflösen können, denn schließlich sind die verwendeten Stoffe auch nur mit Wasser verdünnte Emulsionen, die unter Wasserabgabe aushärten. Warum sie dann dauerhaft dem Wasserangriff widerstehen sollen, bleibt ein Widerspruch in sich.

Fragt sich nur, warum der DIN-Ausschuss mit allem Nachdruck eine Bauweise als allgemein anerkannte Bauweise etablieren will, die so viele Risiken in sich birgt. Statt sich für die Abdichtungsindustrie ins Zeug zu werfen, sollte Herr Herold lieber mal eine DIN-Norm zur Bauweise der weißen Wanne auf den Weg bringen, die gibt es komischerweise immer noch nicht. Obwohl seit 50 Jahren erfolgreich angewendet, bleibt sie nach dem Verständnis des DIN immer noch eine Sonderbauweise und gehört demnach nicht zu den allgemein anerkannten Regeln der Technik.

Dipl.-Ing. (TU) Peter Schewe
ö.b.u.v. Sachverständiger für Schäden an Gebäuden,
Regenstauf

 

Stellungnahme zum Leserbrief von Peter Schewe zum Beitrag von Norbert Swensson: Urteil OLG Hamm 12 U 73/18 – ein Fehlurteil? Sicher nicht

In: Der Bausachverständige Nr. 1, 2020, S. 7980

Polemische und mit Unterstellungen arbeitende Argumentationen helfen in dieser Angelegenheit nicht weiter. Ich möchte daher auf den Leserbrief von Herrn Schewe in der gebotenen Sachlichkeit antworten.

  1. Die Rechtsprechung in Deutschland geht allgemein davon aus, dass DIN-Normen die widerlegbare Vermutung in sich tragen, als anerkannte Regeln der Technik zu gelten. Das begründet sich mit dem Entstehungsprozess von DIN-Normen nach den Regularien des DIN und der DIN 820 als einem Verfahren auf der Basis einer Konsensbildung mit den an dem Normungsgegenstand interessierten Kreisen, die paritätisch an den Beratungen beteiligt sind, sowie einem anschließenden mehrstufigen Konsultationsverfahren mit der Fachöffentlichkeit.
  2. In dem bei der Normung in den Jahren 2009 zu DIN 18195 und 2015 zu DIN 18533 durchgeführten Konsultationsverfahren hat es seitens der Fachwelt und bezeichnenderweise auch seitens der Sachverständigen, die sich jetzt zu diesem Thema anlässlich des OLG-Verfahrens zur KMB/PMBC-Kombinationsabdichtung mit ihren Bedenken äußern, keine Einsprüche oder Alternativvorschläge gegeben. Dies offenbart, wenn denn tatsächlich belastbare Gründe gegen diese Bauweise vorgelegen haben sollten, eine mangelnde Verantwortung genau dieser Kreise an der Mitgestaltung unserer Regelwerke im Bauwesen, die ganz wesentlich auf DIN-Normen gründen. Offensichtlich gab es wohl keine solche belastbaren Gründe, die einen erfolgreichen Einspruch zugelassen hätten.
  3. Der Bezug auf eine Umfrage aus dem Jahre 2009 erlaubt keine Hinweise darauf, ob es sich bei dieser Bauweise um eine anerkannte Regel der Technik im Sinne der Definition dieses unbestimmten Rechtbegriffs handelt oder nicht. Dies ergibt sich allein schon daraus, dass die Befragung nur unter Sachverständigen erfolgte, die nur einen eingeschränkten Überblick über die tatsächlich auch mit Erfolg durchgeführten Fälle haben, und eine ungeeignete und undifferenziert hierzu abgefasste Fragestellung. Sie stellt allenfalls die persönliche Meinung einer Auswahl der mit dieser Bauweise befassten Fachleute dar. Das ist für die Beantwortung dieser Frage aus grundsätzlichen systemischen Gründen nicht von Bedeutung. Es kommt nicht auf eine subjektive Meinung der Befragten, sondern ausschließlich auf belastbare Erkenntnisse auf der Basis tatsächlich vorhandener Erfahrung der Fachkreise mit dieser Bauweise an.

Dieser Umfrage steht eine Umfrage aus dem Jahr 2018 entgegen, die zu dem gegenteiligen Ergebnis kommt. Die Umfrage erfolgte unter einem wesentlich breiter angelegten Teilnehmerkreis mit einer differenzierten Fragestellung, die deutliche Hinweise auf die gestellte Frage nach der anerkannten Regel der Technik zulässt.

  1. Die normativen stofflichen und ausführungstechnischen Anforderungen für die Anwendung dieser Bauweise sind genau die, die zum Erfolg dieser Bauweise unabdingbar sind. Es wurde in vielen tausenden Fällen in den letzten 20 bis 30 Jahren belegt, dass die Einhaltung dieser Anforderungen unter Baustellenbedingungen mit einer ausreichenden Fehlertoleranz möglich ist. Darin unterscheidet sich diese Bauweise nicht von anderen Verfahren, bei denen es auf Sauberkeit, Untergrundvorbereitung und -behandlung, sowie auf Fachkompetenz und Kontrollen bei der Ausführung adhäsiver Verbindung ankommt.
  2. Eine Regel wird nicht dadurch widerlegt, dass es auch verarbeitungsbedingte Schäden gibt. Die Forderung, eine Regel der Technik nur dann als anerkannt anzusehen, wenn sie auch keine verarbeitungsbedingten Fehler zulässt, führt dazu, dass überhaupt nicht mehr gebaut werden kann. Wäre die kritisierte – und in vielen zigtausend Anwendungsfällen sehr weit verbreitete – Bauweise grundsätzlich so anfällig wie behauptetet, würden Unternehmen sie wegen der regelmäßigen Inanspruchnahme zur Mängelbeseitigung schon längst nicht mehr anwenden. Sie wäre dann weder in den Abdichtungsnormen noch in den Merkblättern der ausführenden Unternehmen aufgenommen worden.
  3. Auf die Einhaltung der Trockenschichtdicken von flüssig aufgebrachten Abdichtungsstoffen und ihrer Kontrollen und deren statistische begründete Nachweismethoden wird in der DIN 18533 sowie im Beiblatt 2 zur DIN 18195 umfassend eingegangen. Ein Blick dahin und das Bemühen um das richtige Verständnis für diese Regelungen helfen hier sicherlich weiter. Es wird hierzu auch auf den Kommentarband zu DIN 18533 verwiesen (erschienen im Beuth-Verlag, Ausgabe 2019).
  4. Mit dem bauaufsichtlichen Verwendbarkeitsnachweis für ein PMBC-Produkt durch ein abP wird auch der Nachweis der Überbrückung von Rissen im Untergrund erbracht. Zur Überbrückung von etwaigen größeren Rissen zwischen Wandfuß und Fundament sehen die Regelungen der Norm hier auch die Anordnung einer Dichtkehle vor. Auch die Dauerhaftigkeit der adhäsiven Verbindung unter dem 2,5-fachen des tatsächlich anstehenden Wasserdrucks ist mit dem abP nachgewiesen. Die Korrelation dieser Versuchsrandbedingungen mit dem tatsächlichen Langzeitverhalten in der Praxis wurde durch Langezeituntersuchungen nachgewiesen. Dies wird auch mit den jahrzehntelangen praktischen Erfahrungen mit dieser Bauweise bestätigt.
  5. Es ist schlichtweg unwahr und wird durch alle baupraktischen Erfahrungen widerlegt, dass sich Bitumen, nur weil es als Emulsion verarbeitet wird, die dann unter Wasserabgabe zu einer reinen Bitumenschicht »erhärtet«, unter Wassereinwirkung wieder auflöst. Ebenso löst sich Bitumen unter Wassereinwirkung auch nicht von einer mineralischen Oberfläche, wenn sie die erforderlichen Eigenschaften besitzt oder diese durch eine entsprechende Vorbereitung und Behandlung erhält. Die seit Jahrzenten bis Jahrhunderten bekannte und angewandte Asphaltbauweise in der Abdichtungstechnik und im Straßenbau wären nicht möglich, wenn ein systemimmanentes Funktionsrisiko dadurch bestünde, dass sich die Verbindung zwischen Mineralstoffen und Bitumen unter Wassereinwirkung auflösen würde.
  6. Der beste Beweis für die sichere Anwendbarkeit von PMBC-Kombinationsabdichtungen ist aber die Baupraxis selbst und die hunderttausendfachen Verwendungen. Sie wären von den Bauunternehmern in den letzten 30 Jahren nicht ausgeführt worden, wenn diese Bauart fehleranfällig oder zu risikohaft gewesen wäre. Es dauert in der Baupraxis meistens nur kurze Zeit bis wenige Jahre, in denen sich ggf. untaugliche oder fehleranfällige Baustoffe oder Bauarten in situ disqualifizieren und dann »wie von selbst« vom Markt verschwinden. Das Gegenteil ist der Fall. Der Marktanteil dieser Bauweise ist in den letzten Jahrzehnten stetig angestiegen.
  7. Es wird dazu auch auf die hierzu am 23.12.2019 ergangene Stellungnahme des DIN zum Urteil des OLG Hamm vom 14. August 2019 verwiesen, die in der Ausgabe 1/2020 dieser Zeitschrift abgedruckt wurde.

Dipl.-Ing. Christian Herold
Qualifizierter Sachverständiger für die Abdichtung von Bauwerken,
Berlin

 

Stellungnahme zum Beitrag von Norbert Swensson: Urteil OLG Hamm 12 U 73/18 – ein Fehlurteil? Sicher nicht.

In: Der Bausachverständige Nr. 1, 2020, S. 2932

Ist Herr Swensson neutraler Kommentator des Urteils?

Herr Norbert Swensson hatte seine Umfrage in den Jahren 2009/10 mit einem uns noch vorliegenden Fragebogen durchgeführt. Der Veröffentlichung des Urteils ist zu entnehmen, dass sich der Gerichtssachverständige auf seine von ihm durchgeführte Umfrage 2009/10 bezieht. Damit dürfte der Gerichtssachverständige Norbert Swensson gemeint sein. Warum geht Herr Swensson auf diesen Sachverhalt nicht ein? Möchte er kommentieren anstelle sich verteidigen?


Umfrage 2009/10

Die Umfrage aus den Jahren 2009/10 richtete sich ausschließlich an Sachverständige, die sich berufstypisch eher mit Fällen beschäftigen, wenn etwas schiefgegangen ist, als mit positiven Beispielen. Die Anzahl von Sachverständigen zu der von Architekten, Ingenieure und Unternehmen liegt sehr grob geschätzt bei 1:1000 und beträgt damit nur einen Bruchteil des gesamten Fachkreises, der sich mit Abdichtungen beschäftigt. Eine Umfrage in einem sehr kleinen Teilfachkreis, der sich typischerweise mit Fehlern beschäftigt, und die insbesondere alle betroffenen Fachkreise, die für ihr Handeln in der Gewährleistung stehen, ausschließt, ist nicht repräsentativ.

Das Argument, dass Baubeteiligte bei einer Umfrage nicht zugeben wollen, dass eine Bauweise vielleicht doch nicht so gut sei, ist nicht nachvollziehbar:

Wieso soll ein Planer, der davon überzeugt ist, dass eine Bauweise nicht funktioniert, in einer Umfrage das Gegenteil behaupten?

Bei Herstellern könnte das unterstellt werden. Diese sind aber durch die Produkthaftung, insbesondere durch die Gesetzesänderung am 1.1.2018, aber auch schon zuvor, verpflichtet, fehlerhafte Produkte zu ersetzen. Wieso sollten sie ein solches Risiko eingehen, zumal heutige Hersteller Teile von Großkonzernen sind und diese nicht bereit sind, ein solches Risiko zu tragen?

Wieso sollte ein ausführendes Unternehmen wiederholt Abdichtungsbauweisen anwenden und dabei sehenden Auges ein Risiko eingehen, nicht nur im Zeitraum von fünf Jahren, sondern in diesem Fall sogar über einen von zehn Jahren?

Die von Herrn Swensson angeführten zweistelligen Prozentbeträge verschleiern die tatsächlich kleinen Anteile von Schadensfällen in Bezug zu den Hunderttausenden schadensfreien Anwendungsfällen, die seit Jahrzehnten die Praxisbewährung nachgewiesen haben.

Die Umfrage 2009/10 kann damit die Frage, ob mit dieser Bauweise die Kriterien von anerkannten Regeln der Technik erfüllt werden, nicht beantworten.


Unterschiede zur Umfrage 2018/19

Die Umfrage von Herrn Swensson aus 2009/10 ist nicht vergleichbar mit der Umfrage des AIBau von 2018/19. Der Bericht 2019 zur Umfrage kann kostenfrei unter www.aibau.de heruntergeladen werden. Im Gegensatz zur Umfrage von Herrn Swensson wurde in der Umfrage des AIBau ausdrücklich nicht nach Meinungen (»Halten Sie es für möglich…?«), sondern ausschließlich nach Erfahrungen gefragt. Mit der Umfrage wurden nicht nur Sachverständige, sondern auch die betroffenen Fachkreise von Architekten, Unternehmen, Handwerksverbänden und Herstellern angesprochen.

Der Bericht 2019 kommt zu einem diametral anderen Ergebnis als die Umfrage von 2009/10: Mit der Abdichtungsbauweise KMB/PMBC im Anschluss an WU-Beton kommen zwar in absoluten Fallzahlen häufig Fehler vor, in Bezug zu den gesamten Anwendungsfällen aber vergleichsweise wenige. Alle Fehler waren entweder auf eine fehlerhafte Auswahl des Abdichtungssystems, auf eine fehlerhafte Vorbereitung des Untergrunds, auf eine fehlerhafte Verarbeitung der Abdichtung selbst oder auf eine fehlerhafte Nachbehandlung zurückzuführen. In keinem Fall wurden systemimmanente Fehler genannt.

Grundsätzlich können mit und bei allen Techniken, und nicht nur bei Abdichtungen, Fehler gemacht werden. Selbst in der industriellen Produktion werden durch Fehlermanagement die Folgen von Fehlern geringgehalten. Unter Baustellenbedingungen ist aber aufgrund der handwerklichen Einzelanfertigung die Fehlermöglichkeit grundsätzlich und unvermeidbar größer.

Die Forderung, dass eine Bauweise nur dann den anerkannten Regeln der Technik entsprechen kann, wenn keine Fehler passieren können, hätte zur Folge, dass überhaupt nicht mehr gebaut werden könnte. Eine anerkannte Regel der Technik kann deswegen nur beinhalten, dass eine Bauweise theoretisch richtig und unter Baustellenbedingungen mit hinreichender Fehlertoleranz umsetzbar sein muss sowie zu einer Konstruktion führt, die für eine vorgesehene wirtschaftliche Nutzungsdauer bei zu erwartenden Extrem­einwirkungen unter üblichen und möglichen Instandhaltungen gebrauchstauglich ist. Für die Bauweise KMB/PMBC an WU-Beton bestätigt dies die Umfrage von 2018/19, während die Umfrage von Herrn Swensson das Gegenteil suggeriert.


AbP sind keine umfassende Brauchbarkeitsnachweise

Allgemein bauaufsichtliche Prüfzeugnisse sind Verwendbarkeitsnachweise. Sie ersetzen nicht Nachweise der Brauchbarkeit. Bei allen Produkten und Bausätzen, nicht nur bei Abdichtungen, ist der Brauchbarkeitsnachweis für die Anforderung des Werkvertragsrechts relevant, nicht der Verwendbarkeitsnachweis. (Die Unterschiede zwischen Verwendbarkeit und Brauchbarkeit wurden zu den Aachener Bausachverständigentagen 2019 herausgearbeitet.)

Bauaufsichtliche Prüfzeugnisse sind nur Verwendbarkeitsnachweise und beinhalten grundsätzlich einen vergleichsweise kurzen Prüfzeitraum. Das trifft nicht nur für KMB/PMBC zu, sondern ist ein Grundsatz und betrifft damit z.B. auch alle Abdichtungen, auch Abdichtungsbahnen. Die Darstellung von Herrn Swensson suggeriert durch Weglassen, dass Bahnen nur einen Verwendbarkeitsnachweis erhielten, wenn diese deutlich länger als über einen Zeitraum von etwa einem Monat geprüft würden. Das ist nicht der Fall. Die Behauptung, dass eine Abdichtung 28 Tage dicht ist, damit ein Prüfzeugnis erhält und danach undicht wird, ist unhaltbar. Für die Abdichtungsbauweise KMB/PMBC an WU-Beton wurden darüber hinaus Laborversuche unternommen, mit denen Anschlüsse über Jahre hinweg unter Saugglocken gelagert wurden, ohne dass sich danach Ablösungen gezeigt hätten.


Normungsarbeit

Herr Swensson versucht, DIN-Normungsarbeit zu diskreditieren, indem er einen Werbetext des DIN e.V. zitiert. Er schlussfolgert, dass DIN-Normen nach diesen Kriterien zustande kämen. Dies trifft nicht zu und wird durch die Folgebeiträge im selben Heft richtiggestellt. Seine Behauptung, dass seine Umfrageergebnisse 2009/10 vom Normenausschuss ignoriert worden seien, trifft ebenfalls nicht zu. Sie wurden im Normenausschuss behandelt und aus sachlichen Gründen nicht berücksichtigt.


Sind Bahnen die bessere Bauwerksabdichtung?

Herr Swensson unterstellt, dass Bahnen zur Bauwerksabdichtung die bessere Bauweise seien. Richtig ist, dass Bahnen ebenso wie Flüssigsysteme in DIN 18533 (zuvor in DIN 18195) genormt sind.

Eine Umfrage der Heinze Gruppe vor bereits mehr als 20 Jahren kam zum Ergebnis, dass bahnenförmige Abdichtungen bei der Bauwerksabdichtung eine nur noch untergeordnete Rolle spielen. Dass Herrn Swensson nur wenige Schadensfälle mit dieser Bauweise bekannt sind, liegt einfach daran, dass diese Bauweise quasi nicht mehr angewendet wird. Zwar mögen für die Anwendung von Anschlüssen aus KMB/PMBC an WU-Beton vergleichsweise große Fallzahlen vorliegen, in Bezug zur Anwendungshäufigkeit ist der prozentuale Anteil von Schäden aber sehr klein.

Mir sind keine Untersuchungen bekannt, welche die statistische Häufigkeit von Fehlern an bahnenförmigen Abdichtungen untersucht hätten. Ich kann aber aus meiner Sachverständigenpraxis von diversen Wasserschäden in Innenräumen berichten, deren erdberührte Außenbauteile im Druckwasser mit Abdichtungsbahnen geschützt wurden. Leider sind Abdichtungen unter Bodenplatten nur erreichbar, wenn das Gebäude, das auf ihnen steht, abgebrochen wird. Anwender gehen das Risiko ein, dass sich selbst kleinste Fehlstellen gravierend auswirken, aber nicht lokalisiert werden können. Deswegen wenden die in der Gewährleistung stehenden Planer und Ausführenden diese Abdichtungsbauweise quasi nicht mehr an. Ich halte es für mutig, dass Herr Swensson diese nur noch selten angewendete Abdichtungsbauweise als die einzig Richtige ansieht (und daneben nur wasserundurchlässige Betonkonstruktionen – ohne Abdichtung – als richtig anerkennt). Auch dieses Beispiel zeigt, dass es falsch ist, die betroffenen Fachkreise der Planer und Ausführenden von Überlegungen in Bezug zu anerkannten Regeln der Technik auszuschließen


Fazit

Ist das Urteil OLG Hamm 12 U 73/18 ein Fehlurteil? Ja sicher! Der Beitrag von Herrn Swensson enthält kein belastbares Argument, das die Fehlerhaftigkeit des OLG Hamm Urteils widerlegt.

Prof. Matthias Zöller
Dipl.-Ing. Architekt, AIBau,
Aachen

 

Weitere Stellungnahmen zum Beitrag von Norbert Swensson

Dem fundierten und aus der Praxis abgeleiteten Beitrag von Herrn Dipl.-Ing. Norbert Swensson ist fast nichts mehr hinzuzufügen. Chapeau. Trotzdem einige Ergänzungen: So lange die Anforderungen an den zu beschichtenden Untergrund (DIN 18533-1:2017-07 Punkt 4.2.1) nicht klar und präzise formuliert und hierzu eindeutige und nachprüfbare Messwerte definiert sind, bewegt sich der Planer und Anwender auf sprichwörtlich sehr dünnem Eis, bzw. geht dies zu Lasten der Haftpflichtversicherung.

Jeder, der im Sanierungsfall, selbst bei einer gegen Regenwasser mit einem Dach abgedeckten, d.h. geschützten Baugrube – also keine baustellenüblichen Verhältnisse – die Prüfung bzw. Beurteilung des Feuchtegehalts des Untergrunds durch den Fachberater des Beschichtungsherstellers verfolgen durfte, erkennt, in welcher Grauzone dies stattfindet, aber auch wie lange es dauert bis der Untergrund überall ausreichend trocken ist. Oder es wird grundsätzlich und ganzflächig eine mineralische Dichtschlämme aufgetragen, um im Rahmen des Bauzeitenplanes die Arbeiten ausführen zu können.

Für jeden Kleber/Bodenbelag im Innenbereich gibt es definierte Messwerte bezüglich der Trockenheit des Verlegeuntergrunds. Aber dort, wo es auf eine dauerhaft funktionstaugliche Abdichtung gegen drückendes Wasser im Anschluss zur Bodenplatte, insbesondere der äußeren senkrechten Oberfläche der Bodenplatte ankommt, gibt es solche örtlich messtechnisch prüfbaren Vorgaben nicht.

Das Problem des thixotropen Verhaltens der PMBC – früher KMB – d.h. der unter Druck stattfindenden Veränderung der Konsistenz und Schichtdicke einer in der Durchtrocknung geprüften KMB-Abdichtung, wurden von Herrn Dipl.-Ing. Manfred Külmer ö.b.u.v Sachverständiger in seinem Vortrag in Rottach-Egern anlässlich des Bauschäden-Forums über diverse Schäden eindrucksvoll dargelegt, erläutert und chemisch-physikalisch begründet.

Von einem der renommiertesten, auf Objektüberwachung spezialisierten Büros in Deutschland, dem Büro Schindler und Werb, wurden durch Gesamtkostenbetrachtungen, d.h. inkl. aller begleitenden Maßnahmen, Materialien, etc. eindeutig nachgewiesen, dass in Ortbeton hergestellte Weiße Wannen und mit Bitumenbahnen hergestellte Schwarze Wannen kostengünstiger herzustellen sind, als Bauwerksabdichtungen mit KMB/PMBC. Auch hier sei auf den Vortrag von Herrn Dipl.-Ing. Schindler in Rottach-Egern anlässlich des Bauschäden-Forums verwiesen. Die Ausführungen von Herrn Honsinger und Herrn Klingelhöfer im zweiten Absatz ihrer Stellungnahme zu Kosten, CO2 und Energieverbrauch stimmen im Rahmen der v.g. Gesamtkostenbetrachtung nicht.

Herr Klingelhöfer wird sich an unser Gespräch erinnern, wo es um die nachweislich geprüfte, hohe Qualität der Ausführenden im Bereich von nicht bahnenförmigen Abdichtungen ging. So etwas gehöre(!) bei diesen sensiblen Systemen als Forderung in die Norm. Da waren wir uns einig. Eine Mehrheit gab es im Normenausschuss dafür aber nicht. Insofern kann es nicht sein, dass Forschungen zur Funktionstauglichkeit von Bauwerksabdichtungen alle Mängel, welche durch die Verarbeitung auf der Baustelle regelmäßig oder gar zwangsweise entstehen, im Rahmen der Bewertung des Produkts bzw. Abdichtungssystems im Prinzip ausklammern.

Erinnern darf ich an die Aufforderung an die Deutsche Bauchemie, von Herrn Prof. Dr. Rainer Oswald anlässlich der Aachener Bausachverständigentage, doch endlich einmal nachzuweisen, dass die mit KMB – heute PMBC – abgedichteten Gebäude in der Praxis unter der zugelassenen Wasserbelastung dauerhaft funktionstauglich, d.h. trocken sind. Es reiche ihm (Prof. Oswald) nicht mehr aus, dass die Deutsche Bauchemie immer nur vorträgt, dass in zigtausenden Objekten die Bauwerksabdichtung mit KMB – heute PBMC – funktioniere.

Wir bauen nicht im Labor und nicht für 28 Tage oder 5 Jahre. Unter Berücksichtigung heutiger Zinssätze erfolgt die Rückzahlung des Kredits ohne Sondertilgungen erst in +/– 60 Jahren.

Eine Bauwerksabdichtung muss sicher und risikoarm geplant und ausgeführt werden können. Die Nutzungsdauer muss dem Gebäude, d.h. 80–100 Jahre gerecht werden. Hierzu benötigen Planer und Ausführende zuallererst klar formulierte, messbare und nachprüfbare Anforderungen an den Untergrund. So lange es diese nicht gibt, kann ein einschichtiges, örtlich händisch aufgetragenes, flüssig verarbeitetes Abdichtungssystem nicht zu den anerkannten Regeln der Bautechnik gezählt werden.


Dipl.-Ing. Wilhelm Mühlen
Freier Architekt BayAK,

ö.b.u.v. Sachverständiger, www.svbau-muehlen.de,
Donauwörth

 

Von Gutachten, Umfragen und Stellungnahmen

In der Statistik des Bauhauptgewerbes ist nachzulesen, dass das Bauvolumen 2009 von 272,55 Mrd. € auf 431,00 Mrd. € um ca. 60% gestiegen ist. Eine Trendwende ist zum augenblicklichen Zeitpunkt, wesentlich bedingt durch die Zinspolitik, nicht erkennbar.

Der Kollege Swensson beruft sich in seinem Artikel darauf, dass er selbst in den 17 Jahren seiner Tätigkeit 140 Gerichtsgutachten jährlich verfasst hat. Hierbei bleibt völlig offen, ob es sich dabei ausschließlich um Schäden aus dem Bereich der Bauwerksabdichtung handelt.

Eine hypothetische Annahme:

Angenommen 1.000 registrierte, öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige für das Sachgebiet »Schäden an Gebäuden« bearbeiteten jährlich 140 Fälle, entspricht dieses 140.000 Gutachten. Bei einem durchschnittlichen Schadenswert von 5.000,00 € (so die Annahme), ergäbe dieses einen Gesamtschaden in Höhe von rund 700 Mio. €. Dieses stünde in einem nahezu vernachlässigbaren Verhältnis zur gesamten Bauleistung von 431 Mrd. € entsprechend 3%. Nach der Studie des IFB entfallen auf die Bauwerksabdichtung von den Gesamtschäden 3,6% Schäden im Bereich der Abdichtung. Es werden jährlich ca. eine Millionen Quadratmeter erdberührte Außenwandflächen mit KMB/PMBC schadensfrei beschichtet, ein Keller eines Einfamilienhauses hat im Schnitt 80 qm, das sind rund 12.500 Einfamilienhäuser.

Die Besonderheit ist doch, dass wir als öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige sozusagen als »Pathologen« von Gerichten und privaten Auftraggebern hinzugezogen werden, um zu dem gesamten Spektrum von Schäden an Gebäuden Stellung zu nehmen, die aufgrund fehlerhafter Planung und Ausführung oder sonstiger Ursachen entstanden sind. Dieses führt zwangsläufig dazu, dass es sich bei der Umfrage aus 2009/2010 auf die sich Swensson bezieht, um eine eher gefühlte als eine empirisch durchgeführte Untersuchung handelt.

An dieser Stelle behaupte ich, dass bei ordnungsgemäßer Planung, Überwachung und Ausführung für alle Lastfälle eine technische Umsetzung möglich ist, egal ob Bodenfeuchtigkeit, aufstauendes Sickerwasser oder auch für den Lastfall drückendes Wasser Hierbei geht es weniger um die Materialzusammensetzungen, so wie sie durch die Industrie zur Verfügung gestellt werden, sondern mehr darum, dass die sich am Bau Beteiligten aus verschiedensten Gründen nicht ausreichend mit der Problematik und der Dauerhaftigkeit von Abdichtungen auseinandersetzen.

Selbst wenn man, wie oben ausgeführt, die angefertigten Gutachten zum Bauvolumen ins Verhältnis setzt, kommt man zwangsläufig zu dem Ergebnis, dass die Durchführung von Abdichtungsmaßnahmen mit KMB/PMBC durchgängige Praxis ist.

Auch wenn der Kollege Swensson sich auf die Qualifizierung zur Erlangung der öffentlichen Bestellung für das Sachgebiet »Schäden an Gebäuden« beruft und die erhöhten Anforderungen an das Fachwissen in den Raum stellt, verkennt er, dass für das Sachgebiet »Schäden« ein umfassendes Grundlagenwissen abgeprüft wird. Dabei wird die wirkliche praktische Anwendung und die Vertiefung für einzelne Problempunkte, egal ob Schall, Schimmel oder wie im vorliegenden Fall, Bauwerksabdichtung in der vielleicht notwendigen Tiefe nicht abgeprüft. Die Bestellungskörperschaften wären damit auch überfordert. Es geht doch vielmehr darum, dass über Austausch von Fachwissen in den Spezialdisziplinen, Wissen koordiniert und so sachgerechte Lösungen gefunden, beziehungsweise in Gutachten dokumentiert werden können.

Vor diesem Hintergrund ist es mehr als verwunderlich, dass der Kollege Swensson als Sanierungsvorschlag eine Bauweise wählt, die für sich genommen, keine mögliche dauerhafte Abdichtung aufgrund fehlender Qualitätssicherung bietet. Den Einsatz von Schleierinjektion möchte ich nicht in Zweifel ziehen. Auch ich bin fest davon überzeugt, dass es Einsatzgebiete gibt, bei denen ausschließlich dieses Verfahren zur Anwendung kommen kann.

So wie ich den Sachverhalt verstanden habe, wäre es doch ein Leichtes gewesen, den Keller einfach freizulegen, die Abdichtung genau zu überprüfen und die notwendigen Nacharbeiten durchzuführen.

Soweit der Sachverständige sich mit der Arbeit des DIN-Ausschusses beschäftigt, ist dies zu hinterfragen. Mit Sicherheit liegt einiges in der Kommunikation und in der Regelungswut im Argen. Liegt es nicht eher an den Planern und Verarbeitern, sich mit den von ihnen eingesetzten Produkten so weit auseinanderzusetzen, dass der nach dem Vertrag geschuldete Erfolg überhaupt eintreten kann?

Es ist anzumerken, dass das dem Urteil des OLG Hamm zugrundeliegende Gutachten doch sehr vergleichbar ist mit dem Dachstuhlurteil (BGH, Urteil vom 29.06.2006 - VII ZR 274/04) wegen Schimmelpilzbefall. In beiden Fällen werden Gerichtsurteile von »interessierten Kreisen« dazu genutzt, letztendlich den Verbraucher, Besteller oder Bauherrn derart zu verunsichern, dass wir, als öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige, Tür und Tor öffnen für rechtliche Auseinandersetzungen.

Dies hat nichts mit sinnvoller und zielführender Sachverhaltsaufklärung zu tun, sondern mutet eher an Arbeitsbeschaffung, die aus meiner Sicht in heutigen Zeiten völlig fehl am Platz ist. Zeigt doch die Entwicklung, wie eingangs beschrieben, dass wir mehr oder weniger gar nicht mehr in der Lage sind, den technischen Neuerungen und Anforderungen, so wie sie im Augenblick umgesetzt werden, zu folgen.

Es würde uns als öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige gut zu Gesicht stehen, auf die Gerichte /Parteien zuzugehen und zu versuchen, die Sachverhalte so weit aufzuklären, dass nicht schon in Beweisbeschlüssen die Grundlage für Fehlurteile gelegt werden.


Frank Deitschun
von der Handelskammer Bremen
ö.b.u.v. Sachverständiger
für Schäden an Gebäuden,
Bremen

 

Zuschrift zu Heft 1 Der Bausachverständige 01/2020 – Artikel von Herrn Swensson

Bezüglich der Ausführung zur Umfrage aus dem Jahr 2010 hat Herr Swensson leider bis heute noch nicht erklärt, wie er diese denn ausgewertet hat. Auch ich habe an dieser Umfrage teilgenommen und habe hier ausgefüllt, dass der Anschluss sehr wohl auszuführen ist. Wie Herrn Swensson bekannt ist, führe ich mit meinem Ingenieurbüro, im Gegensatz zu ihm, Qualitätssicherungen in diesem Bereich für die Wohnungswirtschaft in Köln durch, so dass wir hier ein wesentlich größeres Spektrum beurteilen können, als der einzelne öffentlich gestellte und vereidigte Sachverständige.

Herr Swensson bezieht sich in seinen Ausführungen immer wieder nur auf die Anzahl der Sachverständigen, die an der Umfrage teilgenommen haben, jedoch nicht an die Objekte, die schadensfrei sind.

Zu den Ausführungen bei der öffentlichen Bestellung kann ich mich natürlich nur anschließen, jedoch sollte Herr Swensson auch davon ausgehen, dass in den einzelnen Normausschüssen ebenfalls öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige sitzen, die die gleiche Prüfung abgelegt haben. Hier sitzen sogar mehrere Sachverständige zusammen, als ein einzelner öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger, der Artikel schreibt, um hier technische Probleme zu diskutieren. Der DIN lädt hierzu auch alle interessierten Kreise dazu ein. Wieso nimmt er denn nicht teil?

Die Ausführung unter Punkt 5 des Herrn Swensson entspricht tatsächlich nicht der Wirklichkeit. Gerade im Materialbereich gibt es momentan Probleme bezüglich von Abdichtungsbahnen, bei denen die Hersteller sehr kooperativ mit Sachverständigen zusammenarbeiten und auch ihre Gewährleistungsschäden anerkennen.

Die Ausführung unter 6 widerspricht nun einmal den kompletten technischen Gegebenheiten, die angegeben werden. Wenn Herr Swensson denn ein Prüfverfahren bemängelt, würde ich doch vorschlagen, dass wir jetzt sämtliche Prüfverfahren bemängeln, nachdem wir auch zum Beispiel bei Dachabdichtungsbahnen nach 1.000 Sonnenstunden die UV-Beständigkeit einer Abdichtungsbahn für 25 Jahre festlegen. Herr Swensson versucht hier zu suggerieren, dass solche Prüfverfahren nicht den allgemein anerkannten Regeln der Technik entsprechen. Dies ist wiederum falsch und unwahr.

Seine Ausführung unter 10 kann ich nicht nachvollziehen. Diese sind auch gemäß meiner Erfahrung als öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für Bauwerksabdichtung falsch. Wenn Herr Swensson hier gerade den Lastfall »Aufstauendes Sickerwasser« aus der alten DIN 18195 anführt, ist es so, dass wenn hier der Untergrund im Sockelbereich nicht ordnungsgemäß ausgeführt wurde, es ebenfalls zu Wasserschäden im Bereich von Kellern gekommen ist und auch noch weiterkommt.

Herr Swensson führt dann weiter aus, dass er ca. 140 Gerichtsgutachten erstellt hat. Somit wird auch deutlich definiert, dass er gar keine Qualitätssicherungen durchführen kann. Dies ist zeitlich unmöglich und somit fehlt ihm gemäß meiner Einschätzung nach die komplette Erfahrung aus dem Neubau. Ich führe mit meinen sechs Mitarbeitern im Büro sehr viele Qualitätssicherungen und Beratungen im Abdichtungsbereich durch, auch im Wohnungsbereich und wir haben hier mit der von ihm gerügten Bauweise sehr gute Erfahrungen gemacht und auch kaum Schadensfälle zu verzeichnen.

Die Schlussfolgerungen, die Herr Swensson zieht, kann ich aus meiner technischen Sicht somit nicht bestätigen. Wie Herr Swensson dann in seinen Fotos auch darstellt, handelt es sich unter Baustellenbedingungen natürlich um einen Punkt, der sehr sorgfältig gereinigt werden muss. Dies ist jetzt nun aber keine unübliche Vorgehensweise. Auch wenn Herr Swensson Fotos aus einem Rohbau oder aus einem gefliesten Badezimmer zeigt, so würde er nicht den Rückschluss ziehen, dass eine Versiegelung nicht aufgebracht werden kann, da es starke Verschmutzungen im Bereich eines Rohbaus gibt, sondern auch hier geht der Sachverständige Swensson sicherlich davon aus, dass vor Aufbringen der Materialien gereinigt werden muss (Anmerkung: kein Kleber hält auf Dreck).

Herrn Swensson steht es auch frei, sich in einem Gremium, das zum Wohle der Bauwirtschaft versucht Regelungen aufzustellen, teilzunehmen, um hier, wie auch ein Großteil der Ausschussmitglieder, auf eigene Kosten zu versuchen, im Konsens mit den Ausschussmitgliedern Regeln aufzustellen, nach denen eine ordnungsgemäße Ausführung aller am Bau Beteiligten durchgeführt werden kann.


Fazit

Auf der Grundlage der bisher erschienenen Artikel von Herrn Swensson auch zu anderen Gebieten ist festzuhalten, dass es sich hier um eine persönliche Meinung eines einzelnen Sachverständigen handelt und nicht die Meinung der Fachwelt widerspiegelt. Hier verweise ich auch auf die Veröffentlichung zum Flüssigkunststoff, die Herr Swensson veröffentlicht hat. Dies widerspricht gerade der kompletten Richtlinie für die barrierefreien Anschlüsse, bei denen sich öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige in Verbindung mit den Verbänden der Fensterindustrie und der Bauwerksabdichtung / des Dachdeckerhandwerks darauf geeinigt haben, diese Anschlüsse komplett mit Flüssigkunststoff herzustellen, da andere Lösungsmöglichkeiten im Wohnungsbau technisch nicht umzusetzen sind.


Dipl.-Ing. Klaus Hafer
ö.b.u.v. Sachverständiger für Bauwerksabdichtungen
und Flachdächer vor der IHK Bonn/Rhein- Sieg,
Beratender Ingenieur der Ingenieurkammer-Bau NRW,
Hennef

 

 

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