BauSV 5/2022

Bauschäden

Vorgehensweise bei Schäden durch Überschwemmung
Abb. 2: Bäume, Schwellen, Autos, August 2021 im Ahrtal (Foto: Dr. Wolfgang Lorenz)

Stefan Betz, Dennis Doll, Helmut Gansohr, Wolfgang Lorenz, Horst-Bernd Schür, Florian Schwany


Vorgehensweise bei Schäden durch Überschwemmung

Das BSS-Hochwasserteam im Einsatz


1. Das Ereignis und der Ruf nach Hilfe

Am Abend des 14.07.2021 stieg an der Erft und der Ahr und an anderen Orten in Deutschland das Wasser rasant – und in dem Maße unerwartet – etliche Meter hoch an. Es überflutete Tausende von Gebäuden, teils bis in die oberen Etagen, und riss Brücken, Straßen, Autos, Eisenbahngleise, etliche Häuser und leider auch Menschen mit sich fort.

Jeder hat die Bilder in den Medien gesehen und die meisten waren geschockt. Man konnte das, was man sah, kaum realisieren. Ganze Orte waren zerstört, tausende Fahrzeuge weggespült, viele Menschen ums Leben gekommen.

Wenige Tage nach der Flut klingelte bei Wolfgang Lorenz, dem Vorsitzenden des BSS (Bundesverband Schimmelpilzsanierung e.V., Düsseldorf), das Telefon: »Wir brauchen Hilfe! Hier herrscht absolutes Chaos!«

Sachverständige kennen es: Es gibt ruhige Zeiten und stressige Zeiten. Der Anruf erreichte Wolfgang Lorenz in einer arbeitsintensiven Zeit, denn am 14.07.2021 gab es nicht nur Überschwemmungen im Ahrtal und an der Erft, sondern, worüber bis heute kaum berichtet wurde, auch in anderen Städten und Orten, so auch in Düsseldorf – und da die unterste Etage seines Instituts komplett geflutet war, musste er sich zu allem Übel um die eigenen Schäden kümmern.

Wolfgang Lorenz machte sich auf den Weg und inspizierte am 3. und 4. August 2021 insgesamt 14 Gebäude. Die Betroffenen waren immer noch im Schockzustand und dankbar, da es an fachkundiger Hilfe überall fehlte. Sie erwarteten allerdings schnelle Hilfe, was verständlich war. Damit die Geschädigten möglichst schnell eine Art Plan in die Hand bekamen, schrieb Wolfgang Lorenz innerhalb von vier Tagen 14 Gutachten zu den inspizierten Objekten. Da nicht alle eine Gebäudeversicherung hatten, wurde das Gutachten nur dann von ihm in Rechnung gestellt, wenn dieses von der Versicherung übernommen wurde.

Es war ihm klar, das war nur der Anfang, nun kommt die aufwendige Arbeit. Es mussten nicht nur detaillierte Sanierungskonzepte erstellt werden, was Aufmaß vor Ort und Detailbegutachtung erforderlich machte, sondern es war zu erwarten, dass es nicht bei 14 Objekten bleiben würde. Außerdem war die Not erkennbar. Es war fast unmöglich, Handwerksbetriebe zu finden, die die Arbeiten durchführen konnten, geschweige denn qualifizierte Sanierungsfachfirmen.

Der Engpass an Sanierungsfirmen und Handwerksfirmen entstand nicht nur wegen der großen Anzahl an Gebäuden, die, wenn sie nicht abgerissen wurden, zu sanieren waren. Hinzu kam, dass die Handwerksbetriebe an der Ahr selbst abgesoffen waren, also keine Fahrzeuge, kein Material und keine Werkzeuge mehr hatten.

Das alte Sprichwort »Gemeinsam ist man stark« kennt jeder und es klingt abgedroschen, aber hier hatte es volle Gültigkeit. Wolfgang Lorenz verbrachte viele Stunden am Telefon, um andere Sachverständige und Sanierer der »BSS Familie« zu kontaktieren: »Wir brauchen euch, habt ihr Zeit? Kommt ihr im August mit ins Ahrtal?« »Tut mir leid, wir müssen uns um Hochwasserschäden in unserer Region kümmern«, war keine seltene Antwort.


2. Das BSS-Hochwasser-Team vor Ort

Alle, die es irgendwie einrichten konnten, waren dabei, als sich die BSSler, von der Pressesprecherin Angela Berg mit schnell entworfenen und rechtzeitig gelieferten Magnettafeln für die Fahrzeuge und Sicherheitswesten ausgestattet, vor Ort trafen. Die erste Aktion war ein Planungsgespräch, bei dem Informationen ausgetauscht wurden. Übrigens waren die Westen und Magnettafeln in ers­ter Linie nicht als Werbung gedacht, sondern um vor Ort als Helfer erkannt zu werden.

Etliche Straßen waren für die Allgemeinheit gesperrt und die Polizei ließ zu manchen Orten nur Fahrzeuge und Personen durch, die erkennbar mit den Schäden als freiwillige Helfer oder als Fachleute zu tun hatten. Wer sich als Helfer ausgab, aber zu keiner Organisation gehörte, wurde abgewiesen, denn man hatte auch schlechte Erfahrungen mit Schaulustigen und Langfingern gemacht.

Die folgenden grundsätzlichen Probleme waren zu klären:

  • Wo gibt es Wasser und Strom?
  • Gibt es Toiletten?
  • Wie bekommt man Verpflegung?
  • Wo gibt es Hotelzimmer?
  • Wie werden Abrissmaterialien entsorgt?
  • Wie sichert man seine Geräte und Werkzeuge gegen Diebstahl?
  • Wie können wir gemeinsam, aber strukturiert arbeiten?

Die Wasserversorgung funktionierte im August 2021 überraschend gut. Fast vor jedem Gebäude stand inzwischen ein 1000-l-Container mit Wasser. Mehrmals am Tag fuhren Fahrzeuge durch die Straßen, die die Wassercontainer wieder auffüllten, u.a. Wasserwerfer der Polizei.

Die regionalen Elektroversorger hatten inzwischen zahlreiche Baustromverteiler aufgestellt, von denen jeder Strom kostenlos ziehen konnte. In manchen Objekten funktionierten auch noch die Toiletten, man musste nur mit einem Wassereimer spülen, aber als Notlösung standen überall »Dixi-Klos«. Lebensmittelgeschäfte, Gastwirtschaften oder Imbissbuden gab es an der Ahr so gut wie nicht mehr.


Den ganzen Beitrag können Sie in der Oktober-Ausgabe von »Der Bausachverständige« lesen.
Informationen zur Einzelheft- und Abo-Bestellung

Diesen Beitrag finden Sie auch zum Download im Heftarchiv.

 

NEWSLETTER

Der BauSV-Newsletter bietet Ihnen alle zwei Monate kostenlos aktuelle und kompetente Informationen aus der Bausachverständigenbranche.

zur Newsletter-Anmeldung

Zurück zum Seitenanfang