BauSV 5/2022

Bauschäden

Blasen-/Pockenbildung bei Polymerbitumenbahnen
Abb. 1: Blasen-/ Pockenbildung

Udo Simonis, Klaus Hafer


Blasen-/Pockenbildung bei Polymerbitumenbahnen


Dachabdichtungen, die über die geplante Funktions- / Gebrauchsdauer hinaus ihre Funktion erfüllen, können heute durch Bitumenbahnen mit sehr hoher Sicherheit hergestellt werden. Sachverständige werden im überwiegenden Maße bei Problemen herangezogen, weshalb eine objektive Einschätzung der Häufigkeit des Auftretens kaum möglich ist. Dennoch ist festzustellen, dass Phänomene wie Pocken- und Bläschenbildung heute noch ein bekanntes Mangelbild darstellen.


Neben den bekannten Ursachen für die Ausbildung von Blasen an der Bahnenoberfläche sollen hier fertigungs- und rezepturbedingte Ursachen diskutiert werden. Auch der Einfluss des sich verändernden Klimas kann nicht außer Acht gelassen werden und wird wohl in Zukunft verstärkt in den Entwicklungsabteilungen der Hersteller und Systementwickler zu berücksichtigen sein. Auf die Bildung von Blasen, die auf Feuchtigkeit im Untergrund zurückzuführen sind, soll hierbei nicht näher eingegangen werden.

Aufgrund der Vielzahl der Möglichkeiten und komplexer Wechselwirkungen ist eine exakte Bestimmung der Ursache für die Entstehung von Blasen an der Bahnenoberfläche im Einzelfall nur sehr schwierig und nur mit erheblichem analytischem Aufwand möglich. Zudem stehen in den seltensten Fällen die zur Aufklärung der Ursache erforderlichen Informationen der Hersteller über Produktionsverfahren, Rezepturen und Qualitätssicherungssysteme zur Verfügung.

Mitunter ist eine Klärung ohne diese Informationen trotz erheblichem analytischen Aufwand praktisch unmöglich. Hierbei ist zu hinterfragen, ob nicht mit einer entsprechenden sorgfältigen kooperativen Aufklärung allen Beteiligten genützt wäre und sich Fehlerwiederholungen vermeiden ließen. Leider haben die Verbände und ein Teil der Hersteller kein Interesse an der Ursachenerforschung.

Dr. A. Rick beschrieb bereits 1954 in seiner Veröffentlichung »Ursachen, Vermeidung und Beseitigung von Wellen, Falten, Blasen und anderen Mängeln bei der Eindeckung mit Dachpappe« unter dem Kapitel »Kleinblasen, Deckschichtablösung« einen Mechanismus der Blasenbildung. Feuchtigkeit und Lufteinschlüsse in der obersten Pappenlage führen zu einem Aufblähen der erweichten und Erstarren der aufgeblähten Masse und dies geht so lange weiter, bis die Blase platzt.

Seit diesem Zeitpunkt wurde die Bläschenbildung in erster Linie auf eine mangelbehaftete Durchtränkung des damals verwendeten Rohfilzpappenträgers bezogen. Dies ist mit Sicherheit auch heute noch eine der möglichen Ursachen. Unvollständig durchtränkte Einlagen stellen heute noch ein seltenes, aber doch bekanntes Schadensbild dar.

Dies wird von der Herstellerseite oft zum Anlass genommen, die Ursache für eine festgestellte Blasenbildung ohne weitere Analyse des Sachverhaltes auf einen Eintrag von Feuchtigkeit (z.B. Fehler in der Trägervortrocknung) in die Einlage zu reduzieren. Die Ursachen können jedoch vielfältig sein, wobei ungünstig eingestellte Viskositäten, Rohstoffschwankungen, die Rezepturen und auch das Herstellungsverfahren an sich beispielhaft genannt sind.

Die komplexen Ursachen und mit welchen qualitätssichernden Maßnahmen diese bei der Herstellung vermieden werden, wird oft unberücksichtigt gelassen und nur in seltenen Fällen nach außen kommuniziert. Über eine sogenannte Fehlerquote, die beispielsweise in der Autoindustrie in ppm (parts per million) gemessen wird, sind für Dachabdichtungsprodukte leider keine Daten verfügbar. (Anmerkung: 1 ppm = 1 m2 fehlerhaftes Produkt je 1.000.000 m2 produziertes Produkt).


Den ganzen Beitrag können Sie in der Oktober-Ausgabe von »Der Bausachverständige« lesen.
Informationen zur Einzelheft- und Abo-Bestellung

Diesen Beitrag finden Sie auch zum Download im Heftarchiv.

 

NEWSLETTER

Der BauSV-Newsletter bietet Ihnen alle zwei Monate kostenlos aktuelle und kompetente Informationen aus der Bausachverständigenbranche.

zur Newsletter-Anmeldung

Zurück zum Seitenanfang