Die Wasser- und Sumpfpflanze Typha wächst schnell und insbesondere in Moorgebieten, die im Nordwesten Deutschlands häufig sind (Quelle: 3N Kompetenzzentrum e.V.)
Die Wasser- und Sumpfpflanze Typha wächst schnell und insbesondere in Moorgebieten, die im Nordwesten Deutschlands häufig sind (Quelle: 3N Kompetenzzentrum e.V.)
  • 28.08.2019

Jade Hochschule erforscht Wärmedämmstoffe aus Typha-Pflanze

Zur Wärmedämmung von Häusern werden oft die künstlich hergestellten Stoffe EPS (Styropor) oder Mineralwolle eingesetzt. Eine biologische Alternative hierzu untersuchen Wissenschaftler der Jade Hochschule in dem deutsch-niederländischen Forschungsprojekt »BioÖkonomie – Grüne Chemie«. Anhand von Messungen in einem Musterhaus überprüfen Prof. Dr. Heinrich Wigger, Leiter des Instituts für Materialprüfung der Jade Hochschule und sein wissenschaftlicher Mitarbeiter Murat Ince, inwiefern sich die Typha-Pflanze – auch Rohrkolben oder »Lampenputzer« genannt – für die Wärmedämmung eignet. »Wir möchten zeigen, dass auch aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellte Dämmstoffe durchaus ihre Daseinsberechtigung haben«, sagt Projektleiter Wigger. »Insbesondere in Bezug auf Klimaschutzziele.«

Die Typha-Pflanze – Anbau auf Moorflächen dient auch dem Klimaschutz

Die Vorteile der Wasser- und Sumpfpflanze Typha lägen auf der Hand, erklärt Ince: Die Pflanze wächst schnell und sie wächst in Moorgebieten, die in Deutschland, insbesondere im Nordwesten häufig sind. »Die Moorflächen lassen sich landwirtschaftlich nicht nutzen«, sagt der Wissenschaftler. »Zudem trocknen sie aus und setzen dabei Kohlenstoffdioxid frei.« Würde das Moor durch die Ansiedelung der Typha-Pflanze befeuchtet werden, hätte das auch positive Effekte für den Klimaschutz.

Weiterhin eigne sich die Pflanze durch ihren Aufbau als Dämmmaterial: »Sie enthält viele Hohlkammern mit Luft. Luft leitet Wärme schlecht weiter und ist daher Hauptbestandteil vieler Dämmstoffe.«

Schwierigkeiten könnte jedoch die Ernte bereiten, denn für weiche Böden sind herkömmliche Erntemaschinen zu schwer. Die Ernte erfordert daher Spezialmaschinen, die ein sehr geringes Gewicht haben.

Spezialmaschine zur Ernte der Rohrkolben-Biomasse (Quelle: 3N Kompetenzzentrum e.V.)
Die Ernte der Rohrkolben-Biomasse erfolgt ausschließlich mit Spezialmaschinen, die ein sehr geringes Gewicht haben (Quelle: 3N Kompetenzzentrum e.V.)


Messungen in Musterhäusern

Zwei »Tiny Häuser« – kleine Häuser, nur rund 6,70 x 6,70 Meter groß, aus Holz – sollen bis Ende des Jahres als Musterhäuser aufgebaut und mit einer Wärmedämmung durch die Typha-Pflanze versehen werden. Hier messen die Wissenschaftler der Jade Hochschule die Temperatur und die Feuchtigkeit und überprüfen die Beständigkeit der Pflanze. »Zuerst müssen wir geeignete Positionen für die Sensoren finden, die die Messung nicht beeinflussen. Wir dürfen beispielsweise nicht durch die Wand bohren«, erklärt Dr. Wigger. Zudem müsse die Temperatur und Feuchtigkeit an verschiedenen Stellen gemessen und zusätzlich die Feuchtigkeitsaufnahme und -abgabe begleitend im Labor untersucht werden.

Die Feuchtigkeitsempfindlichkeit der Pflanze sei ein sehr wichtiges Thema, erklärt der Experte, zumal klassischen Baustoffen eine höhere Widerstandskraft nachgesagt würde. »Die Typha-Pflanze ist als Sumpfpflanze von Natur aus resistent gegen Feuchtigkeit«, ergänzt Ince. »Alles Weitere ist in unseren Augen eher eine Frage der konstruktiven Ausbildung«.

Einmal geerntet, dann gehäckselt, getrocknet und gesiebt, könnte die Pflanze zu Platten weiterverarbeitet oder wie getrocknetes Stroh in die Räume zwischen den Ausfachungen geblasen werden.

Rohrkolben-Biomasse: geerntet, dann gehäckselt, getrocknet und gesiebt (Quelle: 3N Kompetenzzentrum e.V.)
Rohrkolben-Biomasse: gehäckselt, getrocknet und gesiebt (Quelle: 3N Kompetenzzentrum e.V.)


Erste Versuche zur Wärmedämmung mit der Typha-Pflanze wurden bereits in Süddeutschland gemacht. So werden die Pflanzen für die Tests im Nordwesten momentan aus der Donau-Region und aus den Niederlanden geliefert. »Der umfassende Informations- und Wissensaustausch mit unseren niederländischen Partnern, bringt unser Projekt enorm voran«, sagt Wigger. Die länderübergreifende Kooperation soll weiter ausgebaut werden.


Mit dem Fraunhofer-Institut für Bauphysik besteht eine Kooperation. Derzeit ist auch ein gemeinsamer Projektantrag in Arbeit.

Weitere Informationen
Murat Ince
Telefon: 0441 7708-3116 oder 0441 71131
E-Mail: murat.ince@jade-hs.de

 

Jade Hochschule
Friedrich-Paffrath-Straße 101
26389 Wilhelmshaven
Telefon: 04421 985-0
Telefax: 04421 985-2304
E-Mail: info‎@‎jade-hs.de
Internet: www.jade-hs.de


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