53. Frankfurter Bausachverständigentag, Vortrag von Reinhard Eberl Pacan (© BILDKRAFTWERK)
53. Frankfurter Bausachverständigentag, Vortrag von Reinhard Eberl Pacan (© BILDKRAFTWERK)
  • 10.10.2018

53. Frankfurter Bausachverständigentag

Fassadenkonstruktionen – Problempunkte, Qualitätssicherung und Sanierung

Der letzte Freitag im September war auch in diesem Jahr für das Team der RG-Bau im RKW Kompetenzzentrum größtenteils ein aufregender Tag. Und tatsächlich, nach langer und intensiver Vorbereitung lief der 53. Frankfurter Bausachverständigentag nicht nur reibungslos ab, er war auch für alle Teilnehmer, die Referenten, die Aussteller und damit auch für die RG-Bau und die sieben Mitveranstalter – das Institut für Bauforschung (IFB), das Fraunhofer-Informationszentrum Raum und Bau IRB, der Verband der Bausachverständigen Deutschlands e.V (VBD), die VHV Versicherungen, der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie e.V., der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes e.V. und der Bund Deutscher Baumeister und Architekten e.V. (BDB) – ein voller Erfolg.

Das Thema »Fassadenkonstruktionen« war offensichtlich eine gute Wahl. Damit konnten viele Problempunkte aus der täglichen Praxis von Bausachverständigen durch die Referenten aufgegriffen und diskutiert werden.

Über den Inhalt der Vorträge können Sie sich im Tagungsband informieren, den unser Mitveranstalter, das Fraunhofer-Informationszentrum Raum und Bau IRB, veröffentlicht hat.
Tagungsband bestellen

An dieser Stelle erhalten Sie einen kurzen Einblick in die Fachvorträge:

Zunächst gab Dr.-Ing. Ralf Ruhnau, Geschäftsführer der CRP Bauingenieure GmbH und Präsident der Baukammer Berlin, einen Überblick über den Stand der Technik und neue Entwicklungen. Er erweiterte den Fokus von der Fassade auf die komplette Außenwandkonstruktion. Diese ist heutzutage nicht nur mehrschichtig, sondern oft auch multifunktional. Neben Tragkonstruktion, Wärmedämmung oder Regenschutz sind in modernen Fassaden auch Gebäudetechnik, Sonnenschutz oder Energiegewinnung  integriert. Moderne Baustoffe, zum Beispiel Phasenwechselmaterialien in Fenstern oder photokatalytisch wirksame Materialien, erweitern die Funktionen moderner Außenwandsysteme. Die Vielfalt ist enorm. Jede Fassade ist ein Unikat. Doch um in Zukunft eine qualitätssteigernde und kostensenkende modulare serielle Bauweise zu etablieren, wäre es nötig, dass normierte Schnittstellen die unterschiedlichsten Module material- und herstellerübergreifend kombinierbar machen.

Leider kann man beim Bauen von Außenwandkonstruktionen einiges falsch machen. Dipl.-Ing. Joachim Schulz, Geschäftsführer der IGS Ingenieur-Gesellschaft mbH widmete sich in seinem Vortrag den schadensträchtigen Details bei Fassaden. »Bauen ist ein Kampf mit dem Wasser« postulierte Joachim Schulz und zeigte anschließend, wie Planungs- und Ausführungsfehler an Wärmedämmverbundfassaden dem Wasser Angriffsmöglichkeiten bieten und Bauschäden verursachen. Kritisch ist auch die Schnittstelle zwischen WDVS und Balkonen, Geländern oder auch die Anbindung von Treppen, wie Schadensbilder und technische Zeichnungen deutlich machten.

Dipl.-Ing. Reinhard Eberl-Pacan von Eberl-Pacan Architekten + Ingenieure für Brandschutz befasste sich nach einer ersten Kaffeepause, in der die Teilnehmer auch Gelegenheit hatten, die begleitende Ausstellung anzusehen, mit dem Brandschutz an Fassaden. Leider gibt auch der beste Brandschutz keine absolute Sicherheit. Guter Brandschutz kann jedoch die Ausbreitung von Bränden verzögern, damit sich Menschen und Tiere retten können und die Feuerwehr wirksame Löschmaßnahmen ergreifen kann. In seinem Vortrag ging er anschließend anhand von Beispielen auf Schwachstellen für den Brandschutz an Fassaden, die bauordnungsrechtlichen Anforderungen, das Brandverhalten von Fassadenkonstruktionen und aktuelle konstruktive Brandschutzmaßnahmen ein.

Auf starkes Interesse bei den Bausachverständigen stieß auch der Vortrag des Chemikers Marc Holz, Geschäftsführer der IFO – Institut für Oberflächentechnik GmbH, über die Korrosionsvermeidung bei beschichteten metallischen Bauteilen in VHF-Konstruktionen. Die Kombination der falschen Materialien führt insbesondere unter dem Einfluss von Wasser zu Korrosion und hat Bauschäden zur Folge. Marc Holz ging auf die Kombination verschiedener Metalle miteinander, aber auch auf organische Beschichtungen von Metallbauteilen durch Lacke ein. Für die Haltbarkeit solcher Beschichtungen ist zum Beispiel die Anwendung der richtigen Lackierungsverfahren wichtig. Aber auch Schutzfolien können zu Lackschäden führen. Die Teilnehmer hatten zu diesem Vortrag viele Nachfragen, deren Beantwortung teilweise in die nächste Kaffeepause verschoben werden musste.

Dipl.-Chem. Marc Holz
Dipl.-Chem. Marc Holz (© BILDKRAFTWERK)

 
Dipl.-Ing. Christian Knapp
, ö.b.u.v. Sachverständiger für Schäden an Gebäuden, beschäftigte sich in seinem Vortrag mit einer anderen Art der »Beschichtung«. Die fachgerechte Ausführung von Putzfassaden scheint in der Praxis nicht immer zu gelingen. Frostschäden am Außenputz entstehen, wenn der Putz bei zu niedrigen Temperaturen aufgebracht wird. Die Haftzugfestigkeit ist dann zu schlecht. Man kann den Putz teilweise mit dem bloßen Finger wieder abkratzen. Bei ungünstiger Betondimensionierung können Putzrisse, zum Beispiel sogenannte Schwindrisse, entstehen. Algen und Schimmel an Fassaden sind ein Ärgernis für viele Bauherren. Sie entstehen durch langanhaltende Durchfeuchtung der Putzfassade. Allerdings werden Putzfassaden nun mal nass. Biozide sind nur eine kurzfristige Lösung (Haltbarkeit 7–9 Jahre). Sie sind nämlich wasserlöslich. Außenputzsysteme können allerdings auch so hergestellt werden, dass sie ohne Biozide dauerhaft algen- und schimmelfrei bleiben, erklärte Christian Knapp.

Dipl.-Ing. Christian Knapp
Dipl.-Ing. Christian Knapp (links) und Thomas H. Morszeck, Institutsleiter des Fraunhofer IRB (rechts) (© BILDKRAFTWERK)


Der »krönende« Abschluss eines Frankfurter Bausachverständigentages war auch in diesem Jahr der juristische Fachvortrag. Bausachverständige sind keine Juristen, sondern Ingenieure. Trotzdem benötigen sie gute Baurechtskenntnisse. Schließlich kommen sie immer dann ins Spiel, wenn der Streit zwischen Bauherren, Planern oder Bauausführenden vor Gericht ausgetragen wird. Dann fragt der Richter den Sachverständigen, ob das Bauwerk im Einklang mit den Anforderungen des Bauordnungsrechtes ist und nach den allgemein anerkannten Regeln der Technik errichtet wurde. Aktuelle Veränderungen im Bauvertragsrecht, die Novellierung der Musterbauordnung und die EU-Bauproduktenverordnung machen diese Aufgabe nicht leichter. RA Michael Halstenberg, von der Kanzlei von Kopp-Assenmacher & Nusser Rechtsanwälte PartGmbB, war u. a. Ministerialdirektor im Bundesbauministerium und ist auf Bau- und Vergaberecht spezialisiert. Er zeigte den Teilnehmern mit viel Humor die Hürden im geltenden Recht und auch den einen oder anderen Weg darüber hinweg.

Save the Date

Nach dem Bausachverständigentag ist immer auch vor dem Bausachverständigentag. Für den 54. Frankfurter Bausachverständigentag steht schon heute der Termin fest. Merken Sie sich Freitag, den 27. September 2019 vor. Beim Team der RG-Bau ist das Datum schon dick im Kalender markiert.

© BILDKRAFTWERK

 

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